Gegen den Strom zu schwimmen, ist nicht nur beim Stand Up Paddling eine mühselige Angelegenheit.
Vor allem auf Fließgewässern und in Küstenabschnitten sind starke Strömungen eher die Regel als die Ausnahme.
Aber auch ein ruhiger See kann sich an windigen Tagen in eine reißende Diva verwandeln.
Damit das kein Kampf gegen Windmühlen wird, gibt es einiges zu beachten.
Abgesehen von den grundlegenden SUP Sicherheits-Tipps, die natürlich auch bei Strömungen gelten, geben wir dir hier einige zusätzliche Ratschläge, damit du auch bei dieser Herausforderung immer die Oberhand behältst und vor allem sicher an dein Ziel kommst.
Tipp 1: Das beste Board bei Strömung
Wenn du in deinen SUP-Revieren häufig mit stärkeren Strömungen konfrontiert bist, dann solltest du das schon bei der Auswahl des passenden Boards einkalkulieren.
Kurze und breit geschnittene Modelle haben bei diesen Bedingungen glasklare Vorteile.
Zum einen ist eine hohe Grundstabilität sehr wichtig und zum anderen haben kürzere Boards wesentlich weniger seitliche Angriffsfläche und lassen sich leichter drehen bzw. zielgenauer steuern.
Spezialisierte Whitewater-Boards sind auf diese Bedingungen perfekt zugeschnitten, aber auch jeder andere kompakte Boardtyp hat im Vergleich zu langen Modellen die besseren Fahreigenschaften für das Paddeln in Strömungen. Die besten Whitewater Boards ansehen.
Tipp 2: In Ufernähe gegen die Strömung paddeln
Aus zwei Gründen ist die Nähe des Ufers beim Paddeln gegen die Strömung entscheidend:
- Meistens sind die Strömungsbereiche in Ufernähe weniger stark ausgeprägt, vor allem die Fließgeschwindigkeit ist hier oft deutlich niedriger.
- Falls doch mal etwas schiefgehen sollte und du ins Wasser fällst, ist es von Vorteil, wenn du nur eine kurze Strecke bis ans rettende Ufer zurücklegen musst.
Tipp 3: Hardboard oder iSUP gegen den Strom?
Damit dein Board solide und kippstabil im Wasser liegt und sich auch in Strömungen gut steuern lässt, ist die Steifigkeit enorm wichtig.
In diesem Punkt sind Hardboards mit ihrer Konstruktion aus festen Werkstoffen natürlich das Maß der Dinge.
Moderne und hochwertige, aufblasbare SUP Boards (iSUPs) sind aber mittlerweile ebenfalls sehr fest und belastbar.
Ein weiterer Faktor, der aber ebenfalls für die Hardboards spricht, ist die geringere Dicke, somit ist die seitliche Angriffsfläche deutlich geringer.
Tipp 4: Bei Wind im Knien oder Liegen SUPen
Starker Wind führt oft auf Stillgewässern zu vermehrten Strömungen und Gegenwind kann dich schnell die letzten Kraftreserven kosten.
Um den Widerstand in diesen Situationen zu reduzieren, musst du deine eigene Angriffsfläche möglichst stark reduzieren.
Bei mäßigem Wind kann es bereits ausreichen, wenn du deine Körperhaltung etwas mehr nach vorne beugst bzw. etwas mehr in die Knie gehst.
Je stärker der Wind aber bläst, desto mehr musst du deinen Schwerpunkt in Richtung Board verlagern. Im Knien hast du eine gute Stabilität und kannst dein Paddel noch nutzen.
Falls du dafür noch Zeit hast, stellst du das Paddel um 15 bis 20 Zentimeter kürzer. Falls nicht, rutschst du mit der oberen Hand einfach vom Griff auf den Schaft. Beide Hände nebeneinander an den Schaft gehören dabei nicht, sonst verlierst du die Kontrolle über das Blatt.
Wenn das aber auch nicht mehr ausreicht, dann bleibt dir nur noch die Bauchlage, in der du deine Hände als Paddel nutzt („Prone-Paddling“).
Das SUP Paddel musst du dann aber am Board sichern, nutze dafür falls vorhanden den Paddelhalter oder das Gepäcknetz. Wenn dein Board nichts davon besitzt, kannst du es auch einfach unter deinem Körper fixieren, indem du dich darauflegst.
Das Stand Up Paddling bei Wind hat ganz besondere Herausforderungen zu bieten, deshalb findest du hier einen eigenen Ratgeber zu diesem Thema.
Tipp 5: Paddel-Stil bei Strömungen
Beim Paddeln auf ruhigen Strecken versuchen wir ja meistens sehr raumgreifende Paddelzüge zu setzen, um möglichst gut ins Gleiten zu kommen. Das ist in Strömungen aber der falsche Weg.
Kurze und kräftige Schläge mit schnellem Rhythmus sind hier besonders wichtig, um in der Phase zwischen 2 Zügen („Recovery“) nicht zu weit abgetrieben zu werden.
Tipp 6: Gewässerkenntnis nutzen
Vor allem bei sehr herausfordernden Bedingungen und dazu zählen Strömungen zweifellos, ist es wichtig, dass du im Vorfeld möglichst viele Informationen über ein Gewässer, dessen Struktur und Eigenheiten in Erfahrung bringst. Nutze dafür jede Quelle, die du finden kannst.
Auf unseren SUP Karten findest du beispielsweise wertvolle Informationen zu vielen SUP Spots in Deutschland, Österreich und der Schweiz! Plane deine Strecke genau und bedenke dabei auch immer das „Worst Case Szenario“.
Mögliche Ausstiegspunkte sind dabei besonders wichtig, damit du auch in der Lage bist, deine SUP Tour abzubrechen, wenn es doch mal zu gefährlich oder zu anstrengend wird.
Und eine Planungsregel, die alles andere überstimmt: Auf einer Strecke, die du hin und zurück paddelst, geht es zuerst gegen die Strömung. Dann trägt sie dich zurück, wenn die Kraft nachlässt. Andersherum ist die Rechnung schon oft nicht aufgegangen, weil stromab alles mühelos aussieht und der Rückweg dann doppelt so lange dauert wie geplant.
Eine grobe Orientierung für die eigene Grenze: Ein normal trainierter Paddler kommt gegen etwa 3 bis 4 km/h Fließgeschwindigkeit noch dauerhaft an. Fließt das Wasser schneller, paddelst du auf der Stelle, und dann gibt es keinen Rückweg mehr auf dem Wasser.
Tipp 7: Die Strömung „lesen“ und umsichtig Paddeln
In den allermeisten Fällen zeigen sich Strömungen bereits an der Wasseroberfläche, so dass du mit etwas Erfahrung ohne Probleme ruhige und gefährliche Zonen unterscheiden kannst.
Drei Dinge sind auf Flüssen wirklich gefährlich, und sie sehen alle harmlos aus:
- Wehre. Unterhalb der Kante bildet sich eine rückläufige Walze, die alles festhält, was hineingerät, Schwimmweste inklusive. Wehre werden immer umtragen, ohne Ausnahme und ohne Ausprobieren.
- Bäume und Verhaue im Wasser. Ein umgestürzter Baum lässt Wasser durch, dich aber nicht. Die Strömung drückt dich in die Äste hinein. Halte großen Abstand, vor allem in Außenkurven, wo die Strömung genau dorthin zieht.
- Brückenpfeiler und Buhnen. Alles, was quer im Strom steht, drückt dich mit voller Kraft dagegen.
Wirst du doch auf ein Hindernis zugetrieben und kannst nicht mehr ausweichen, lehnst du dich zum Hindernis hin und nicht davon weg. Kippt das Board vom Hindernis weg, taucht seine Kante unter, und die Strömung zieht dich darunter. Das ist die Bewegung, die dem Gefühl widerspricht und die im Ernstfall den Unterschied macht.
Außerdem solltest du immer vorausschauend paddeln, damit du Hindernisse rechtzeitig erkennst.
Und wenn du doch stürzt: Leg dich auf den Rücken, Füße flussabwärts, Zehen an der Oberfläche. So stößt du mit den Beinen ab statt mit dem Kopf, und die Füße können sich nicht zwischen Steinen verklemmen. Erst in ruhigem Wasser drehst du dich und schwimmst schräg zum Ufer.
Tipp 8: Schwimmweste für SUP gegen den Strom
Die Gefahr zu stürzen ist bei starken Strömungen ungleich größer, deshalb gehört eine Weste hier zur Grundausstattung und nicht in den Rucksack.
Welche, hängt vom Gewässer ab. Auf offenem Wasser hat die ohnmachtssichere Rettungsweste ab 150 Newton ihren Sinn: Sie dreht einen Bewusstlosen auf den Rücken. Auf Flüssen und im Wildwasser greift man dagegen zur körpernahen Schwimmweste mit rund 50 Newton, wie sie Kanuten tragen. Sie schränkt beim Schwimmen und Klettern nicht ein und hat keinen großen Auftriebskragen, der sich in Ästen verfangen kann. Der Preis dafür ist, dass sie voraussetzt, dass du bei Bewusstsein bist.
Eine weitere Möglichkeit, um deine Sicherheit in starken Strömungen zu erhöhen, sind die Restubes. Diese kleinen und trotzdem sehr starken Auftriebskörper kannst du in einer kleinen Tasche an der Hüfte tragen.
Im Bedarfsfall ziehst du am Griff, und der Auftriebskörper füllt sich binnen Sekunden über eine CO₂-Kartusche. Von allein löst er nicht aus. Er ersetzt damit auch keine Weste: Er hält dich über Wasser, solange du bei Bewusstsein bist und dich festhältst.
Tipp 9: Leash mit Notfallauslöser für SUP in Strömung
Eine Leash (Sicherungsleine) gehört grundsätzlich zur standardmäßigen Sicherheitsausrüstung. In starken Strömungen sind sie allerdings mit Vorsicht zu genießen und können sogar lebensgefährlich werden.
Wenn sich dein Board oder die Leash selbst irgendwo verfängt und du mit der Strömung abtreibst, kann es passieren, dass du unter Wasser gedrückt wirst und dich nicht mehr befreien kannst.
Für diesen Zweck gibt es deshalb spezielle Leashs mit Notfallauslöser (Quick-Release). Diese Modelle werden mit einem Gurt um die Hüfte befestigt. Im Notfall kannst du sie mit einer Hand problemlos und schnell öffnen.
Tipp 10: Handy für Notfälle mitnehmen
Grundsätzlich ist dieser Tipp absolut allgemeingültig. Denn es empfiehlt sich immer ein Handy parat zu haben, um im Zweifelsfall Hilfe rufen zu können. Achte darauf, dass du es wasserdicht verpackst, im Handel gibt es zahlreiche sehr gute Hilfsmittel dafür.
Außerdem solltest du sicherstellen, dass der Akku möglichst vollgeladen ist und die Ortung („Standort“) eingeschaltet ist. Denn es gibt leider auch Fälle, in denen du nicht mehr in der Lage bist, selbstständig einen Notruf abzusetzen.
Tipp 11: Gemeinsam paddeln
Davon abgesehen, dass Stand Up Paddling zu zweit oder in der Gruppe wesentlich mehr Spaß macht, ist Gesellschaft immer noch die beste Lebensversicherung. Ihr könnt aufeinander aufpassen und euch im Ernstfall gegenseitig helfen.
Das Paddeln in Strömungen ist ohne Frage gefährlicher als bei ruhigen Bedingungen, deshalb ist es umso wichtiger, dass du im Notfall nicht alleine bist.
Wenn du dich dennoch dazu entscheidest, auf eigene Faust durch die Fluten zu steuern, dann erzähl auf jeden Fall einer Vertrauensperson von deinen genauen Plänen und melde dich am besten vor und nach deiner Session bei ihr. Du kannst sogar deinen Standort teilen, um im Notfall schneller gefunden zu werden.
Auch in diesem Fall ist ein Handy in einer wasserdichten Handyhülle und mit eingeschalteter Ortung („Standort“) das Mindeste, was du für deine Sicherheit tun solltest!
Keine Kommentare vorhanden