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Blog 6 Gründe gegen Trockenanzug gebraucht kaufen (mit Tipps)

Wenn du gerade vor einem Kauf eines neuen Trockenanzugs stehst, stellst du dir sicherlich auch die Frage nach der Option, ob du einen Trockenanzug gebraucht kaufen sollst.

Du argumentierst hier sicherlich primär mit dem reduzierten Anschaffungspreis, jedoch solltest du den Aspekt eines gebrauchten Drysuits gründlich überdenken.

Die ehrliche Antwort vorweg: pauschal abraten wäre zu einfach. Ein gebrauchter Trockenanzug kann ein gutes Geschäft sein, wenn du weißt, worauf du achten musst, und wenn du den Anzug vor dem Kauf in der Hand hattest. Blind bei Kleinanzeigen oder eBay zuschlagen ist dagegen fast immer teurer als ein neuer Einsteigeranzug, weil die Teile, die einen Trockenanzug ausmachen, genau die Teile sind, die als Erstes altern.

Wir zeigen dir deshalb beides: die sechs Punkte, an denen ein Gebrauchtkauf typischerweise scheitert, und eine Prüfliste für den Fall, dass du es trotzdem versuchst.

Außerdem empfehlen wir dir ein paar Trockenanzüge, die neu und vergleichsweise günstig sind. Schau dir doch gleich mal unsere Reviews zu den folgenden Anzügen an:

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Punkt 1: Die Manschetten sind das Erste, was altert

Das A und O eines funktionsfähigen Trockenanzugs sind die Manschetten an Hals und Handgelenken. Sind sie undicht, ist der Anzug kein Trockenanzug mehr, sondern eine teure Regenjacke.

Latexmanschetten halten bei regelmäßiger Nutzung und guter Pflege ungefähr zwei bis vier Jahre, dann werden sie durch UV-Licht, Ozon, Hautfette und Sonnencreme spröde. Neoprenmanschetten halten länger, dichten dafür nie ganz so zuverlässig ab. Genau diese Alterung siehst du einem Anzug auf Fotos nicht an: eine Latexmanschette kann glatt und schwarz aussehen und beim ersten kräftigen Dehnen einreißen.

Das ist kein Grund, der einen Gebrauchtkauf unmöglich macht. Es ist ein Grund, den Preis danach zu rechnen. Ein Satz neuer Latexmanschetten kostet als Material etwa 25 bis 50 Euro, im Fachbetrieb eingeklebt liegst du je nach Anzahl bei rund 80 bis 150 Euro. Wie das geht, steht in unserer Anleitung zum Wechseln der Halsmanschette.

Was du beim Ansehen machst: Manschette vorsichtig weiten, gegen das Licht halten und auf feine Risse an der Innenkante schauen. Riecht das Latex klebrig-süßlich oder fühlt es sich pappig an, ist es am Ende.

Punkt 2: Die Größe entscheidet, und die Auswahl ist klein

Die richtige Größe bei einem Trockenanzug zu finden, ist genauso wichtig wie bei jedem anderen Kleidungsstück.

Der Drysuit muss perfekt sitzen, damit der Anzug sein Einsatzgebiet auch zu 100 % ausfüllen kann und deinen Ansprüchen gerecht wird.

Anders als bei einer Jacke kannst du bei einem Trockenanzug nicht einfach eine Nummer größer nehmen. Beim Trockenanzug bestimmt der Sitz, ob überhaupt Wasser draußen bleibt, und er bestimmt, wie viel Luft im Anzug herumwandert, wenn du ins Wasser fällst.

Beim Gebrauchtkauf kommt dazu: du hast nicht die freie Auswahl aus fünf Größen, sondern genau die eine, die gerade angeboten wird. Genau das verleitet dazu, Kompromisse einzugehen, die man beim Neukauf nie machen würde.

Um dir zu verdeutlichen, warum du von einem Gebrauchtkauf absehen solltest, zeigen wir dir nachstehend zwei Beispiele.

Der Trockenanzug ist zu klein:
Ist der Anzug zu klein, drückt vor allem die Halsmanschette. Das ist nicht nur unangenehm: sitzt sie zu eng, drückt sie auf den Karotissinus am Hals, und das kann Schwindel und einen Blutdruckabfall auslösen. Mehr dazu in unserem Beitrag zur zu engen Halsmanschette.

Dazu kommt die eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Ein Trockenanzug muss dir erlauben, dich flach auf das Board zu legen und wieder aufzustehen, ohne dass er an Schultern und Schritt zieht.

Der Trockenanzug ist zu groß:
Sitzt der Anzug zu locker, kommt an den Manschetten Wasser hinein, und der Anzug verfehlt seinen Zweck. Der zweite Effekt ist weniger bekannt und wichtiger: viel Luft im Anzug wandert bei einem Sturz nach oben und sammelt sich in den Beinen, wenn du kopfüber im Wasser liegst. Genau deshalb gehört zu jedem Trockenanzug das Ablassen der Luft über die Halsmanschette, bevor du aufs Wasser gehst.

Achte also auf die passende Größe, und akzeptiere beim Gebrauchtkauf keinen Kompromiss, nur weil der Preis stimmt.

Schau dir dazu am besten eine Größentabelle für Trockenanzüge an.

Punkt 3: Du kennst die Vorgeschichte nicht

Ein Trockenanzug lebt oder stirbt an der Pflege. Wurde er nach Salzwasser nur mit Süßwasser abgespült, im Schatten getrocknet und locker über einen breiten Bügel gehängt, kann er zehn Jahre und mehr halten. Wurde er feucht in die Tasche gestopft und im Sommer im Kofferraum gelagert, ist er nach drei Saisons hin.

Die Fragen, die du dem Verkäufer stellst, kosten nichts:

  • Wie oft war der Anzug im Wasser, süß oder salzig?
  • Wie wurde er gelagert, hängend oder gefaltet?
  • Wurde der Reißverschluss regelmäßig gewachst, und mit was?
  • Wurden Manschetten oder Reißverschluss schon einmal getauscht, und wann?
  • Gibt es bekannte undichte Stellen, gab es Reparaturen?

Wer darauf konkret antwortet, hat den Anzug wahrscheinlich gepflegt. Wer ausweicht oder nur „kaum benutzt“ schreibt, sagt damit meistens: er lag jahrelang irgendwo. Wie richtige Pflege aussieht, steht in unserem Beitrag zum Trockenanzug pflegen.

Punkt 4: Rechne den Preis mit den Folgekosten

Der Gebrauchtpreis ist selten der Endpreis. Rechne so:

  • Neue Latexmanschetten, Material 25 bis 50 Euro, mit Einbau im Fachbetrieb 80 bis 150 Euro.
  • Neuer wasserdichter Reißverschluss, der teuerste Posten, je nach Typ und Betrieb 150 bis 300 Euro.
  • Reparaturset für kleine Löcher, etwa 15 bis 25 Euro.
  • Reißverschlusswachs und Talkum, zusammen unter 20 Euro.

Bei einem gebrauchten Anzug für 200 Euro, der einen neuen Reißverschluss braucht, bist du damit beim Preis eines neuen Einsteigeranzugs, nur ohne Garantie. Wie lange ein Anzug überhaupt hält und welches Teil zuerst aufgibt, steht in unserem Beitrag zur Lebensdauer von Trockenanzügen.

Ein zweiter Punkt: Trockenanzüge sind über die Jahre leichter und beweglicher geworden. Ein zehn Jahre altes Modell aus schwerem Trilaminat paddelt sich spürbar anders als ein aktueller Anzug, selbst wenn beide dicht sind.

Punkt 5: Beim Privatkauf gibt es keine Gewährleistung

Hier lohnt es sich, die Begriffe auseinanderzuhalten. Die gesetzliche Gewährleistung schuldet dir der Verkäufer, die Garantie ist eine freiwillige Zusage des Herstellers.

Beim Kauf von privat schließen praktisch alle Verkäufer die Gewährleistung im Text aus („Privatverkauf, keine Gewährleistung“), und das ist zulässig. Du hast dann nur noch bei arglistig verschwiegenen Mängeln eine Handhabe, und das musst du beweisen. Kaufst du dagegen gebraucht bei einem Händler, gilt die gesetzliche Gewährleistung, sie kann bei gebrauchten Waren aber vertraglich auf ein Jahr verkürzt werden.

Die Herstellergarantie ist bei vielen Marken ohnehin an den Erstkäufer und den Kaufbeleg gebunden. Ohne Rechnung ist sie beim Gebrauchtkauf meist wertlos, selbst wenn die Frist noch läuft. Frag im Zweifel vor dem Kauf beim Hersteller nach, ob die Garantie übertragbar ist.

Ein Ausdruck des Kleinanzeigen-Inserats, ein kurzer schriftlicher Kaufvertrag und ein Zahlungsweg mit Käuferschutz kosten dich nichts und sind im Streitfall alles, was du hast.

Fehler können nicht nur bei der Reinigung gemacht werden, sondern auch bei der Behandlung der Latexmanschetten, beim Reißverschluss, bei der Trocknung oder bei der Lagerung von Trockenanzügen.

Wenn man hier keine vollständige Information hat, kann es dazu führen, dass der Anzug bereits nach wenigen Wochen Schäden aufweist, die man beim Kauf nicht ersehen konnte.

Punkt 6: Ausstattung gibt es gebraucht nur zufällig

Da wir bereits die einzelnen relevanten Bereiche betrachtet haben, richten wir nun den Blick auf das Gesamte.

Aufgrund der Vielzahl an Wahlmöglichkeiten ist es sehr selten, dass ein gebrauchter Trockenanzug alle relevanten und individuell gewünschten Eigenschaften bzw. Attribute mit sich bringt. Einige Beispiele wären:

Dazu kommen Details, die im Inserat selten stehen: sitzt der Reißverschluss quer über den Schultern oder diagonal über die Brust, hat der Anzug einen Relief Zipper, gibt es verstellbare Bündchen über den Manschetten, ist die Sitzfläche verstärkt.

Beim Neukauf suchst du dir das aus. Gebraucht nimmst du, was da ist, und merkst erst nach dem dritten Ausflug, dass dir der Einstieg zu umständlich ist.

Wenn du es trotzdem versuchst: die Prüfliste

Es gibt gute Gelegenheiten. Vereine lösen Materialpools auf, Kanuschulen verkaufen Leihanzüge, jemand hat den Sport nach einer Saison wieder aufgegeben. Wenn du dir so einen Anzug ansiehst, arbeite diese Liste ab:

  1. Anprobieren, immer. Ohne Anprobe kein Kauf. Ein Anzug, der nicht passt, ist zu jedem Preis zu teuer.
  2. Manschetten dehnen und gegen das Licht halten. Feine Risse an der Innenkante, klebrige oder pappige Oberfläche, verhärtetes Neopren, alles Ausschlusskriterien oder mindestens ein Preisabschlag.
  3. Reißverschluss zwei-, dreimal komplett auf und zu ziehen. Er muss gleichmäßig laufen. Hakt er, fehlen Zähne oder ist die Dichtung eingerissen, lass es. Das ist der teuerste Posten am ganzen Anzug.
  4. Nähte und Tapes von innen ansehen. Lösen sich die verklebten Nahtbänder an den Rändern, wandert die Undichtigkeit weiter, egal was du klebst.
  5. Sitzfläche, Knie und Ellenbogen prüfen. Dort scheuert das Material zuerst durch, oft sieht man es nur an einer helleren, dünneren Stelle.
  6. Dichtigkeitstest machen. Manschetten mit den Händen verschließen, Anzug über die geöffnete Halsmanschette mit Luft füllen, zuhalten und mit Seifenwasser über Nähte und Reißverschluss fahren. Wo Blasen aufsteigen, ist der Anzug undicht.
  7. Nach dem Alter fragen. Modellbezeichnung und Baujahr lassen sich meist online nachschlagen. Über acht Jahre ist bei einem Membrananzug viel, auch wenn er gut aussieht.
  8. Geruchsprobe. Modrig heißt: er wurde feucht gelagert. Das bekommst du kaum wieder raus, und es ist ein Hinweis auf den Rest der Behandlung.

Als Faustregel: mehr als die Hälfte des aktuellen Neupreises ist ein gebrauchter Trockenanzug nur wert, wenn er höchstens zwei Jahre alt ist, Manschetten und Reißverschluss einwandfrei sind und der Verkäufer die Pflege belegen kann.

Fazit

Ein gebrauchter Trockenanzug lohnt sich unter drei Bedingungen: du kannst ihn vor dem Kauf anprobieren und prüfen, er ist nicht älter als ungefähr fünf Jahre, und der Preis lässt Luft für neue Manschetten. Trifft eines davon nicht zu, ist der neue Einsteigeranzug der bessere Kauf, weil du weißt, was du bekommst, und weil Gewährleistung und Garantie tatsächlich greifen.

Was du auf keinen Fall tun solltest: einen Trockenanzug ungesehen aus einem Inserat kaufen, weil der Preis so gut aussieht. Die beiden Teile, die den Anzug ausmachen, Manschetten und Reißverschluss, kannst du auf Fotos nicht beurteilen, und beide zusammen kosten in der Reparatur oft mehr als der ganze Anzug gekostet hat.

Rechne beim Vergleich immer den Preis pro Saison, nicht den Kaufpreis. Ein neuer Anzug für 400 Euro, der acht Jahre hält, ist günstiger als zwei gebrauchte für je 200 Euro, die je zwei Saisons durchhalten.

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Kommentare

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2 Comments
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Matthias

Ich nutze eure Seite sehr oft, gut und informativ gestaltet, allerdings ist dieser Artikel schon sehr daneben.

Die Gründe gegen Gebrauchtkauf sind die gleichen wie alles im Leben was man gebraucht kaufen kann, auch ein gebrauchtes Auto hat viele Nachteile zu einem Neuwagen, das sollte wohl jedem klar sein und spielt bei der Kaufentscheidung bzw. Gebrauchtpreis dann eine große Entscheidungsrolle.

Nehmen wir mal Grund 3, Angebot von gebrauchten ist sehr klein, wenn das Angebot klein ist finde ich evtl. auch nichts, aber wo ist das Risiko außer das ich nichts kaufen kann? 😉

Benjamin Hagg

Hey Matthias,

Vielen Dank für deine konstruktive Kritik. Uns geht es in allen Ratgebern darum, verschiedenste Aspekte (Gründe) vor allem für Anfänger zu beleuchten…
Selbstverständlich muss dann jeder für sich die Entscheidung treffen!

Viele Grüße,
Benjamin