Wenn sich morgens die Eisblumen am Fenster zeigen und man vor der Arbeit gerade halbwach sein Auto freikratzen muss, dann steht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Winterzeit vor der Tür.
Für die einen heißt es Plätzchen backen mit Weihnachtsliedern singen und für die anderen heißt es: Ab aufs Wasser.
Wer das Weihnachtsfest nach einem Ausflug aufs Wasser nicht im Krankenhaus verbringen will, sollte sich der Gefahr durch kaltes Wasser im Winter stets bewusst sein.
Die Frage für uns SUP’ler ist hier, im Vorwege zu entscheiden, welche Informationen es einzuholen gilt und wann ein Neopren- bzw. wann ein Trockenanzug für die kalte Session Sinn macht.
Unsere Trockenanzug Empfehlungen:
Unsere Neoprenanzug Empfehlungen:
Gefahr durch kaltes Wasser
Fangen wir bei den Basics an und machen uns bewusst, was die Gefahr durch kaltes Wasser eigentlich bedeutet.
Wir alle kennen es, wenn wir kurz im T-Shirt unsere Post aus dem Briefkasten holen und bemerken, dass ein Outdoor-Aufenthalt in falscher Kleidung einfach unangenehm enden kann. Verstärkt wird dies durch die Kälteeinwirkung von kaltem Wasser.
Während wir zuerst zu frieren anfangen, kann es im nächsten Schritt dazu kommen, dass an einzelnen Körperstellen Erfrierungen auftreten. Zeitgleich führt die anhaltende Einwirkung des kalten Wassers zu einer Unterkühlung.
Von einer Unterkühlung spricht man bei einer Körpertemperatur von unter 35 °C. Symptome bei anhaltender Unterkühlung können beispielsweise das Zittern der Muskelpartien, Beeinträchtigung der Sinne (z.B. falsches Urteilsvermögen) bis hin zur Bewusstlosigkeit und Atemstillstand sein.
Für uns Wassersportler bedeutet dies, dass wir uns im schlimmsten Fall aus Notsituationen nicht aus eigener Kraft retten können.
Wir können nicht mehr schwimmen, die Muskeln arbeiten nicht mehr so, wie man es selbst möchte und im Worst Case werden wir ohnmächtig.
Der Kälteschock kommt lange vor der Unterkühlung
Das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber falsch abbiegen. Unterkühlung braucht in aller Regel eine halbe Stunde und länger. Was Menschen in kaltem Wasser tatsächlich umbringt, passiert in der ersten Minute.
Beim unerwarteten Sturz in Wasser unter etwa 15 Grad reagiert der Körper mit dem Kälteschock: einem unwillkürlichen tiefen Einatmen, danach unkontrolliertem Hecheln, Blutdruck- und Pulsanstieg. Wer in diesem Moment mit dem Kopf unter Wasser ist, atmet Wasser ein. Das ist die häufigste Todesursache bei Kaltwasserunfällen, nicht die Kälte selbst.
Danach folgt das Versagen der Schwimmfähigkeit. Innerhalb von etwa zehn Minuten kühlen Hände, Unterarme und Beine so weit aus, dass Greifen und Kraulen nicht mehr funktionieren, während Rumpf und Kopf noch völlig normal arbeiten. Man ist bei klarem Verstand und kommt trotzdem nicht mehr aufs Board.
Der kanadische Kälteforscher Gordon Giesbrecht hat das in die Merkregel 1 zu 10 zu 1 gefasst:
- 1 Minute, um die Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen. In dieser Zeit nichts tun außer sich über Wasser halten und ruhig atmen.
- 10 Minuten sinnvolle Bewegung. Das ist das Zeitfenster, um zurück aufs Board zu kommen oder das Ufer zu erreichen. Danach geht es nicht mehr.
- 1 Stunde, bis Unterkühlung zur Bewusstlosigkeit führt. Mit Schwimmweste überlebt man diese Stunde auch bewusstlos, ohne nicht.
Daraus folgen zwei Dinge, die wichtiger sind als die Anzugfrage: Eine Leash hält das Board in Reichweite, und ein Auftriebsmittel hält den Kopf oben, während die Arme nicht mehr mitmachen.
Wie lange man ohne Schutzkleidung durchhält
Die folgenden Spannen stammen aus den Unterkühlungstabellen der Küstenwachen und gelten für einen normal gekleideten Erwachsenen mit Auftriebsmittel, der sich ruhig verhält. Sie sind Anhaltspunkte, keine Zusage. Kinder, schlanke Menschen und alle, die schwimmen statt still zu treiben, liegen darunter.
- unter 5 Grad: Handlungsfähigkeit nach 10 bis 15 Minuten weg, Bewusstlosigkeit ab etwa 15 bis 45 Minuten
- 5 bis 10 Grad: Handlungsfähigkeit 15 bis 30 Minuten, Bewusstlosigkeit ab 30 bis 60 Minuten
- 10 bis 15 Grad: Handlungsfähigkeit 30 bis 60 Minuten, Bewusstlosigkeit ab 1 bis 2 Stunden
- 15 bis 20 Grad: Handlungsfähigkeit 1 bis 2 Stunden, Bewusstlosigkeit ab 2 bis 7 Stunden
- über 20 Grad: mehrere Stunden, aber auch hier setzt Unterkühlung ein
Trockenanzug Wassertemperatur: So bereitest du dich auf kaltes Wasser richtig vor
Wenn du dich entscheidest bei tiefen Temperaturen aufs Wasser zu gehen, solltest du einiges beachten und im Vorwege für dich abklären.
Es sollten zu dieser Jahreszeit zwei Bereiche betrachtet werden: Der Spot und die eigene Person.
In beiden Bereichen solltest du als SUP’ler maximal informiert sein.
- Spot: Bei der Wahl des Spots solltest du im Winter einen Spot wählen, den du sehr gut kennst. Darüber hinaus sollten dir die relevanten Informationen über das Wetter, den Wind und etwaige Strömungen bzw. Gezeiten vorliegen.
- Eigene Person: Du solltest bei den tiefen Temperaturen nur für eine Session herausgehen, wenn du dich zu 100 % fit fühlst. Dabei solltest du komplett ehrlich zu dir selbst sein und die schlappe Tagesform nicht für unwichtig erachten. Des Weiteren solltest du deine Fähigkeiten auf dem Wasser immer realistisch einschätzen, und das gilt genauso für die warmen Jahreszeiten. Außerdem ist es wie bei allen Sportarten eine gute Wahl, nicht allein rauszugehen. Eine schöne Session bei glasklarem Sonnenschein ist ohnehin schöner, wenn man sie teilen kann.
Die Faustregel, an der du dich orientieren kannst
Entscheidend ist die Wassertemperatur, nicht die Lufttemperatur. Ein Apriltag mit 22 Grad Luft und 9 Grad Wasser ist gefährlicher als ein trüber Oktobertag mit 12 Grad Luft und 16 Grad Wasser, weil die Sonne zum Unterschätzen verleitet.
- über 18 Grad Wasser: normale Sportkleidung reicht, ein Shorty für längere Touren
- 13 bis 18 Grad: Neoprenanzug, mindestens 3/2 Millimeter, dazu Neoprenschuhe
- 10 bis 13 Grad: dicker Neopren (5/4) oder Trockenanzug, je nach Tourlänge und Windstärke
- unter 10 Grad: Trockenanzug, alles andere ist ein unnötiges Risiko
Eine zweite Regel aus dem Kanusport hilft, wenn du zwischen zwei Stufen stehst: Addiere Luft- und Wassertemperatur. Liegt die Summe unter 30 Grad, ziehst du an, was du für den Sturz brauchst, nicht das, was sich beim Paddeln angenehm anfühlt.
Damit wir unsere Überlebenszeit und die Vorsichtsmaßnahmen maximieren, ist es ratsam im Winter auf die richtige Schutzkleidung zurückzugreifen.
So halten Trockenanzüge warm
Auf die Jahreszeiten Bezug nehmend, macht eine Verwendung des Trockenanzugs von Oktober bis Anfang Mai Sinn.
Entscheidend sind hier natürlich sowohl Umgebungs- als auch Wassertemperatur, jedoch wird der Trockenanzug ab einer gewissen Temperatur zu warm.
Bei sehr hohen Temperaturen wollen wir dann ja sowieso am liebsten in Badeshorts und Lycra aufs Wasser.
Da wir uns in unserem Artikel jedoch auf die kalte Jahreszeit konzentrieren, streben wir einen größtmöglichen Kälteschutz an. Dies erreicht man, wenn wir ausschließlich Kleidung aus Polyester unter unserem Trockenanzug anziehen.
Würde man Kleidung aus Baumwolle verwenden, so würde dies den Körperschweiß aufsaugen und diese Feuchtigkeit nicht vom Körper wegtransportieren. Dies würde den Abkühlungseffekt hervorrufen, den wir natürlich vermeiden wollen.
Der Vorteil bei Polyesterkleidung ist, dass das Gewebe keine Feuchtigkeit aufnimmt bzw. die Feuchtigkeit durch das Gewebe transpirieren lässt. Die Feuchtigkeit sammelt sich also zwischen der Unterziehkleidung und dem Trockenanzug.
Für die richtige Unterziehkleidung unter dem Anzug hast du zwei Möglichkeiten:
Entweder du verwendest deine Skiunterwäsche aus Polyester und beispielsweise Kleidung aus Polyesterfleece oder aber du benutzt einen Trockenanzug Unterzieher.
Diesen Overall, der auch aus Polyester besteht, kannst du in vielen Fällen sogar direkt bei deinem Hersteller des Trockenanzugs kaufen.
Du kannst bei der Auswahl des Overalls verschiedene Ausführungen bzw. Wärmegrade wählen, damit du für deine individuellen Bedürfnisse immer ideal gekleidet bist.
Kontaktiere hierfür am besten den Hersteller deines Trockenanzugs oder lass dich von deinem Shop deines Vertrauens beraten.
Unterschiede zu Neoprenanzügen
Wenn man nur die beiden Anzüge vergleicht, kann man sagen, dass ein Trockenanzug einzeln betrachtet grundsätzlich nicht sehr warm ist.
Der Trockenanzug wird aber zum Gewinner der kalten Jahreszeit, wenn man den Aspekt der variablen Unterziehmöglichkeiten mit in Betracht zieht. Wir können unsere Unterziehkleidung so variieren, dass wir immer den idealen und individuellen Kälteschutz besitzen.
Folglich kann man sagen, dass man mit einem Trockenanzug eine höhere Überlebenschance im kalten Wasser hat, sofern man u.a. die oben genannten Unterzieh-Aspekte berücksichtigt.
Voraussetzung ist hierfür natürlich, dass dein Trockenanzug auch voll funktionsfähig und nicht beschädigt ist.
Im Gegensatz zum Neoprenanzug müssen wir unserem Trockenanzug immer ein bisschen mehr Pflege geben und bei der einen oder anderen Situation ein bisschen achtsamer sein (z.B. auf dem Weg zum Wasser vorbei an Bäumen/Büschen).
Vergleicht man die erwartbare Überlebenszeit mit Anzug, wird deutlich, dass der Trockenanzug in einer Notlage über Stunden statt Minuten entscheidet.
| Wassertemperatur | Trockenanzug | Neoprenanzug |
| +15 °C | > 6 Std. | 4 Std. |
| +10 °C | 6 Std. | 2 Std. |
| +5 °C | 3 Std. | 1 Std. |
| -1 °C | 2 Std. | 30 Min. |
Fazit
Grundsätzlich bleibt zu sagen, dass ein Trockenanzug in der kalten Jahreszeit mehrere Vorteile mit sich bringt.
Wir verlängern unsere Saison um mehrere Wochen bzw. können, je nach Wetterlage, sogar ganzjährig unser SUP benutzen.
Überdies ist der viel wichtigere Vorteil, dass wir uns vor dem kalten Wasser und dem Risiko einer Notsituation schützen.
Mit der richtigen Wahl der Schutzkleidung und der informativen Vorbereitung können wir dem Winter positiv entgegenblicken und das anstreben, was wir am Ende alle wollen: Eine unvergesslich schöne Zeit auf dem Wasser.
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