Anja von Behr unterrichtet SUP Yoga an Berliner Seen, bildet für die internationale SUPyoga Association aus und hat ein Retreat-Konzept für besonders belastete Polizeidienststellen entwickelt.
Im Interview erzählt sie, wie eine ihrer Stunden abläuft, welche Yogaübungen auf dem Wasser funktionieren und welche nicht, und was man wirklich für die erste SUP Yoga Einheit braucht.
Zum Einordnen: Das Gespräch stammt aus dem Frühjahr 2022, die genannten Termine und Kooperationen beziehen sich auf diese Saison. Wo Anja heute unterrichtet, steht am Ende.
Hallo Anja, bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor!
Hey, ich bin ein SUPyoga Junkie und lebe nach dem Motto:
„SUPyoga is like the mafia. Once you’re in you can’t get out…“
Für mich ist diese noch relativ neue Form des Yoga die allerbeste Verbindung aus Tiefenmuskulatur- und Core-Training, Einswerden mit der Natur und dem Finden von innerer wie äußerer Balance.
Am Muskelkater danach merkt man immer, dass man seinem Body was Gutes getan hat.
Ich mache seit 20 Jahren Yoga, da war es nur die logische Konsequenz, das aufs Wasser zu verlegen, nachdem ich das erste Mal rumgesupt bin.
Man spricht ja sowohl dem Wasser als auch dem Yoga ein gewisses „Healing“-Potenzial zu: also gleich mal doppelter Effekt.
Welche Projekte rund um Yoga auf dem SUP Board hast du bisher betreut?
SUPyoga Base im Strandbad Plötzensee
In Kooperation mit SUP04, der SUP Abteilung des Championsleague Vereins „Wasserfreunde Spandau 04“ habe ich letztes Jahr begonnen, im Berliner Strandbad Plötzensee eine kleine SUPyoga base aufzubauen.
Ab Mai 2022 geht’s da weiter mit wöchentlichen SUPyoga Klassen, Full Moon SUPyoga mit beleuchteten SUPs und im August dem Namaste United Beach Festival.
Lehrkraft für den Unisport
Auch an den Universitäten ist SUPyoga angekommen. Im Programm des Uni-Hochschulsports unterrichte ich jetzt im Sommersemester für Studierende und Alumni die SUP Paddelkurse und SUPyoga Kurse an der Humboldt-Universität am Zeuthener See sowie der FU Berlin am Wannsee.
Personal Training am Schlachtensee
Außerdem gebe ich noch Personal SUPyoga Training und Paddelcoaching am Schlachtensee. Manchmal gibt es Leute, die sich in einer Gruppe unwohl fühlen oder auf ihren Könnenstand zugeschnitten die richtige Paddeltechnik oder einen kontrollierten Kopfstand auf dem Board lernen möchten.
Ambassador Germany für ISYA
Aktuell sitze ich an einem Video zum Thema „Sicherheit beim SUPyoga“, da gibt es ja vom richtigen Ankern, über Strömungen bis zur korrekten Ausführung, um die Gelenke zu schonen, so einiges zu verbessern.
Als ISYA Ambassador für Deutschland vertrete ich die Internationale SUPyoga association/academy (Headquarter Australien), mit dem Ziel, SUPyoga nicht nur bekannter zu machen, sondern vor allem auch gewisse Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu setzen.
Zum Beispiel, was Gewässerkunde und die Ausbildung von SUPyoga Teachern angeht. Also ähnlich wie die Internationale Yoga alliance (AYA/RYT) das auch weltweit in der Yoga-Ausbildung „am Boden“ macht.
Balance Retreats mit dem Berliner LKA und dem Erzbistum Berlin/Brandenburg
Ich habe ein Konzept entwickelt, wie besonders belastete Polizei-Dezernate mithilfe von Yoga und SUP eine gewisse Balance finden und halten. Also wie Körper, Geist und Seele auf dem Wasser Stabilität gewinnen können.
Jeder, der schon mal auf dem SUP gestanden hat, weiß, dass das Brett ein hervorragendes Übungsmittel dafür ist.
Und dazu gebe ich am Kirchmöser See in den Sommermonaten eben Retreats für die Polizeimitarbeiter, wobei die Kirche (Erzbistum Berlin/Brandenburg) netterweise die Kosten für dieses Präventiv-Programm trägt.
#Rockyouryogaboard
Unter diesem Hashtag hoste ich auf Instagram eine wöchentlich stattfindende, internationale SUP und Balanceboard Challenge.
Dabei führen die Hosts dieser Challenge jeden Donnerstag eine Übung vor, die dann von der Instagram SUP oder Yoga Community nachgemacht wird.
Die Fotos werden dann unter dem Hashtag #Rockyouryogaboard hochgeladen und jeden Monat winken Preise. Jeder kann mitmachen.
Auf dem Balanceboard, auf dem SUP, sogar Leute auf dem Skateboard haben da schon Videos hochgeladen.
SUPyoga Academy mit GTS Boards
Mein nächstes Projekt ist eine SUPyoga academy mit GTS boards, für die ich seit letzter Saison so etwas Ähnliches wie „Teamrider“ bin. Dazu kann ich noch nicht mehr verraten. But I keep you updated 😉
Das klingt nach vielen tollen Projekten! Aber was machst du im Winter?
Ich gebe indoor Yoga Kurse bei Viva Studio Berlin oder Balance Board Trainings auf Strobel Walter Yogaboards.
Außerdem arbeite ich ja auch seit 20 Jahren als Künstlerin und mache Körperabformungen. Also falls mal jemand schwanger werden sollte in der SUP Community: Ich lege deinen Babybauch in Gips und mache daraus ein Mosaik. Natürlich mit SUP und Paddelmotiv 😉
Für wen ist SUP Yoga geeignet? Braucht man dafür bereits Erfahrung in Yoga oder Stand Up Paddling?
Nein. Aber es ist wie in jeder anderen Sportart auch. Ich würde niemals alleine surfen gehen, wenn ich es vorher noch nie gemacht habe.
Ich würde mir immer erstmal von einem Pro die Basics sowie die korrekte Körperhaltung zeigen lassen.
Ein guter Yoga teacher wird euch sicher in die Yoga-Pose hinein- und auch wieder hinausführen, wie man das nennt.
Meine Kurse starten immer mit einer kurzen Materialk- und Wetterkunde, bevor es eine Einführung in die Grundpaddeltechnik gibt. Dann paddelt man gemeinsam zum Ankerplatz, wo die SUPyoga Stunde stattfindet.
Yoga ist für jeden und jedes Alter geeignet. Es hilft ja gerade dabei, die Wirbelsäule möglichst lange mobil zu halten und zu stärken.
Und das gepaart mit Meditation und Entspannungsübungen. Das wird beim Arbeitsstress und den sitzenden Tätigkeiten heutzutage ja immer wichtiger, damit man nicht schon mit 50 bucklig und mit Burn Out oder Nackenschmerzen da sitzt.
Leute, die schon mal Yoga gemacht haben, werden bald merken, dass es Asanas (Übungen) gibt, die auf dem Boden ein Klacks sind, aber auf dem Board zur Zitterpartie werden.
Deswegen basiert mein SUPyoga Trainingsprogramm auch auf speziellen SUPasanas, die ich für das Element Wasser als geeignet ansehe und mit denen ich im Laufe der Zeit gute Erfahrungen gesammelt habe.
Übungen, bei denen ich weiß, dass sie auch von Anfängern ausgeführt werden können, ohne dass sie gleich im Wasser landen. Prinzipiell kann man sagen: Auf dem SUP Board sind einbeinige Posen, Armbalancen und Inversions eher schwer und für Anfänger ungeeignet, auch wegen der Verletzungsgefahr.
Was braucht man für SUP Yoga?
Einen Anker, Yoga Klamotten oder Badeanzug, ein Drybag mit Handtuch (falls du dich damit beim Shavasana zudecken magst), eine Stunde Zeit, eine ruhige Bucht und ein geeignetes Yoga Board:
Ein SUP, das breit genug ist und über eine gute Steifigkeit und einen guten Auftrieb verfügt. Sprich, je breiter und dicker, desto stabiler (mindestens 10.6).
Es gibt spezielle Yogaboards, auf denen fällt auch die Balance im Stehen leichter als auf einem normalen SUP.
Außerdem haben die meist in der Mitte keinen Tragegriff, damit der bei den Übungen nicht im Rücken drückt.
Dafür lassen sie sich natürlich nicht besonders gut tragen. Und auch das lange Geradeausfahren ist nicht gerade ein Spaß mit einem Yogaboard.
Ich selber mache Yoga auf dem Aquamarina Dhyana, GTS Malibu Supfit oder meinem GTS Yacht Cruiser (wenn ich danach noch eine Tour fahre oder schneller damit vorankommen mag).
Danke für das Interview!
Wo Anja von Behr heute unterrichtet
Anja von Behr ist weiterhin Botschafterin der International SUP Yoga Association and Academy für Deutschland und bildet über die SUP Yoga Academy selbst SUP Yoga Lehrerinnen und Lehrer aus. Die Ausbildung läuft als mehrtägiges Retreat mit Abschlussdemonstration, unter anderem an der sardischen Costa Smeralda. Neben der Ausbildung stehen Kurse, Paddelausflüge und Teamevents im Berliner Raum im Programm.
Wie die ISYA als Verband arbeitet und warum es überhaupt Standards für SUP Yoga braucht, erklärt deren Gründerin im Interview mit Chantal Crinquand. Aktuelle Termine stehen auf sup-yogis.com und in Anjas Instagram-Kanal.
Anjas Ausrüstungsliste, kurz erklärt
Der Anker ist der Kern der Sache. Ohne ihn treibt das Board während der Übung ab, und niemand kann eine Pose halten, während er nebenbei die Position kontrolliert. Was für welchen Untergrund taugt, steht in unserem Ratgeber zum SUP Anker.
Breit vor lang. Anjas Faustregel „je breiter und dicker, desto stabiler“ ist der entscheidende Punkt. Bei der Länge nennt sie 10.6 als Untergrenze, für die Stabilität zählt aber vor allem die Breite: Ab etwa 32 Zoll wird es angenehm, spezielle Yogaboards liegen meist bei 34 Zoll und mehr.
Das Drybag gehört an Bord, nicht an Land. Handtuch, Wasser und Schlüssel bleiben trocken, und das Drybag ist gleichzeitig das, was Handy und Autoschlüssel vor dem unvermeidlichen Sturz rettet.





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