Der erste reacha entstand im Urlaub aus einem Windsurfbogen und zwei alten Fahrrädern, weil es nichts zu kaufen gab, das ein Board über Sand zieht.
Florian erzählt im Interview, wie aus diesem Provisorium ein SUP Fahrradanhänger wurde, warum die Fertigung in Bayern blieb und was ein modularer Anhänger können muss, damit er den höheren Preis gegenüber einem einfachen Kajakwagen rechtfertigt.
Zum Einordnen: Das Gespräch entstand kurz nach dem Marktstart von reacha. Seitdem hat sich einiges getan, unter anderem gehört die Marke inzwischen zu einem Konzern und die Modelle heißen anders. Den aktuellen Stand haben wir am Ende ergänzt.
Hi Florian, freut mich, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, einen Fahrradanhänger für SUP Boards zu entwerfen?
Seit Jahren fahre ich mit meiner Familie und Freunden an die französische Atlantikküste.
Irgendwann waren wir es leid, unser Equipment und alles, was Kind und Kegel sonst noch brauchten, einen Kilometer weit an den Strand zu schleppen.
Auf dem Markt gab es nichts Leichtes, das auch auf Sand fährt. Aus einem Windsurfbogen und alten Fahrrädern habe ich im Urlaub dann meinen allerersten Anhänger gebaut.
Die allermeisten Hersteller von SUP Boards und SUP Zubehör lassen ihre Ware in China produzieren. Warum habt ihr euch für eine lokale Produktion in Bayern entschieden?
Vor zwei Jahren habe ich mich mit Freunden vom Tegernsee, die ein Ingenieurbüro haben, zusammengesetzt und das Projekt reacha gestartet.
Zusammen haben wir aus meinem Prototypen aus Schrott ein Produkt entwickelt. Weil wir sowohl im privaten als auch im professionellen Umfeld viel Wert auf Nachhaltigkeit legen, wollten wir regional produzieren; ohne weite Transporte und frei von fragwürdigen Produktionsbedingungen.
Das Kernstück des reacha ist der Rahmen, der in Rosenheim produziert wird. Es geht bei dem Projekt ja auch um Ingenieursleistung, da sind wir in Bayern gut aufgestellt.
Auf reacha.de bietet Ihr nicht nur einen Fahrradanhänger, sondern mehrere verschiedene Modelle an. Kannst du erklären, was den reacha compact 20, reacha beach und reacha street 26 unterscheidet und für wen welcher Anhänger am besten geeignet ist?
Der reacha compact 20 mit 20 Zoll Reifen ist unser reacha für die Stadt: wendig und kompakt, wie der Name schon sagt, eignet er sich nicht nur für Eisbachsurfer, sondern auch für Familien, die Einkäufe oder sogar Haustiere von A nach B bringen wollen. Er bietet ein kleines Packmaß und Gewicht.
Der reacha beach ist unser Offroad-Hand- und -Fahrradanhänger für alle, die es abseits der Straßen zieht. Mit seinem leichten Aluminiumrahmen und einem Bow inklusive kann er einiges an Gepäck ziehen, dank 24 Zoll Fatbike-Reifen auch mühelos durch Sand.
Für alle, die auf der Straße schneller unterwegs sind, eignet sich der reacha street 24.
Alle reachas können mit zusätzlichem bike connector und seitlichen Bügeln für mehr Stabilität ausgestattet werden.
Außerdem gibt es auch einen DIY-Baukasten. Kannst du erklären, wie das funktioniert?
Bei der reacha DIY Variante bestellt man nur den Rahmen und setzt dann einfach zwei alte Fahrradreifen ein. Dank der genormten Radaufnahmen können alle handelsüblichen Räder eingesetzt werden.
Der DIY ist unser reacha für alle Bastelverliebten und unsere kostengünstigste Variante. Für die Transporttasche gibt es ein Schnittmuster auf unserer Website zum Nachschneidern.
Noch eine Frage zum Schluss: Im Vergleich zu einfachen Kajakwagen ist der reacha recht teuer. Warum meinst du, dass sich eure Anhänger trotzdem lohnen?
reacha ist mit seinem Modularsystem und vor allem dem schnellen Auf- und Abbau einzigartig. In weniger als drei Minuten ist reacha werkzeuglos zerlegbar. So passt er in den Kofferraum und ist für jeden Urlaub bereit.
Zudem ist der reacha breiten- und längenverstellbar, sodass die Ladefläche für alle Abenteuer angepasst werden kann. Wir legen Wert auf hochwertigste Materialien, sodass reacha nicht nur dein Anhänger für einen Sommer ist, sondern Langlebigkeit verspricht.
Danke für das Interview!
Was seit dem Interview passiert ist
reacha gehört seit Juli 2024 zur Thule Group. Die Firma hinter dem Anhänger, ursprünglich als good goods tegernsee gegründet, wurde vom schwedischen Transportspezialisten übernommen. Der Sitz blieb am Tegernsee, die Anhänger laufen heute unter dem Namen Thule Reacha und stehen auch im Sortiment von Thule selbst.
Die Modellnamen aus dem Interview gibt es nicht mehr. Aus compact, beach und street ist eine Reihe mit vier Modellen geworden:
- Reacha Sport, der Allrounder für lange Ladung, das direkte Gegenstück zum früheren street
- Reacha Sport Beach mit breiten Fatbike-Reifen für Sand, der Nachfolger des beach und für SUP Boards das interessanteste Modell
- Reacha City für kurze Ladung bis etwa 1,5 Meter, also Stadtfahrten, Foils und Einkäufe
- Reacha City Platform mit Ladefläche statt Rahmen
Der Grundgedanke ist geblieben. Modularer Aluminiumrahmen, werkzeugloser Auf- und Abbau über das Snap-Lock-System, umbaubar zwischen Hand- und Fahrradanhänger über den Bike-Connector. Auch die Fertigung am Tegernsee besteht weiter, der Großteil der Bauteile kommt nach Herstellerangaben aus Europa.
Was du vor dem Kauf prüfen solltest: Ob dein Board auf den gewählten Rahmen passt (der Sport Beach nimmt Ladung bis rund 4,5 Meter, der City nur bis 1,5 Meter), ob die Kupplung zu deinem Fahrrad passt, und ob du wirklich über Sand musst. Wer nur befestigte Wege fährt, kommt mit einem einfacheren Anhänger günstiger weg. Unser reacha Test geht auf die Praxis ein, der Vergleich der SUP Fahrradanhänger stellt die Alternativen daneben.
Lesetipps:
- reacha Test: Bester Fahrradanhänger für Wassersportler?
- SUP Fahrradanhänger Test: Lohnen sich die SUP Anhänger?
- SUP Boards transportieren: 11 einfache Möglichkeiten
Kommentare
Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen!