Wer beruflich nichts anderes tut, als kaputte aufblasbare SUP Boards wieder dicht zu bekommen, sieht die typischen Schwachstellen häufiger als jeder Hersteller. Thomas arbeitet bei der SUP-Clinic, einer Werkstatt aus der Schweiz, die genau darauf spezialisiert ist.
Im Interview erklärt er, wie ein Board über den Winter gelagert gehört, welche Schäden bei ihm am häufigsten ankommen, welche Reparatur man selbst machen kann und wo die Fachwerkstatt anfängt.
Zum Einordnen: Das Gespräch stammt aus dem Oktober 2018. Die Reparaturhinweise gelten unverändert, den heutigen Stand der Werkstatt haben wir am Ende ergänzt.
Hallo Thomas! Bitte stell dich zunächst meinen Lesern vor. Wie bist du denn zum Stand Up Paddeln gekommen?
Ich habe mir vor über 5 Jahren ein SUP gekauft und war begeistert von dieser Sportart.
Bereits ein Jahr später habe ich meine jetzige Stelle als Product Manager beim grössten SUP-Produzenten der Schweiz begonnen.
Der Winter steht ja bevor. Wie bereite ich mein Board am besten auf die Lagerung vor?
Wichtig ist, dass das SUP nach dem letzten Einsatz ganz trocken ist. Zusammengerollt trocknet das Deckpad nur sehr langsam.
Ideal wäre es, wenn das SUP mit dem Grundvolumen (ohne Druck) aufgeblasen waagrecht gelagert werden kann. Den meisten Besitzern eines aufblasbaren SUP bleibt diese Möglichkeit jedoch verwehrt.
Ein qualitativ hochwertiges SUP kann aber auch zusammengerollt gelagert werden. Wir empfehlen locker gerollt, nicht zusammengebunden und nicht in der Tasche verpackt.
So entstehen keine Druckstellen und allfällige Restfeuchtigkeit kann entweichen.
Welche Beschädigungen und Reparaturen kommen euch in eurer SUP Klinik am häufigsten unter?
Diesen Sommer häuften sich undichte oder gar geplatzte Seitennähte. Die hohen Temperaturen führten bei vielen aufblasbaren SUP zu einem Überdruck im SUP, der insbesondere dunklen Boards stark zusetzte.
Wir sind jedoch in der Lage auch geplatzte Rails zu reparieren, falls die restlichen Nähte noch intakt sind.
Kann ich denn noch etwas an meinem Board verändern? Sind irgendwelche „Upgrades“ möglich?
Häufig werden zusätzliche Finnen oder Befestigungsringe aufgeklebt. Mit den sogenannten D-Ringen lässt sich z.B. ein zusätzliches Gepäcknetz erstellen oder ein Sitz montieren.
Viele Leser wollen ihre SUP Boards selber reparieren. Welche Reparaturen am Board kann man denn noch selber vornehmen? Und ab wann sollte man wirklich einen professionellen Service wie euren aufsuchen?
Einfache Löcher an der Ober- oder Unterseite kann fast jeder selbst reparieren. In der Regel ist bei einem SUP ein Reparaturset mit Flicken und Leim beigelegt.
Für größere Risse und Stellen an der Naht oder das Ersetzen von Finnenkästen empfehlen wir unsere Fachwerkstatt.
Wie repariert man ein (kleines) Loch in der Hülle eines aufblasbaren Boards am besten?
Jedem SUP sollte ein Reparaturset beigefügt sein. Dies beinhaltet PVC-Material in den Farben des SUP, sowie PVC-Kontaktkleber. Sollte dieser nicht enthalten sein, so findet man diesen im Baumarkt.
Beim Auftragen des Leims ist es wichtig, dass dieser auf beiden Seiten (SUP und Flicken) aufgestrichen wird und vor dem Anpressen des Flicken vollständig trocknet.
Einmal angepresst, lässt sich der Flicken nicht mehr umpositionieren. Für einen guten Halt ist ein hoher Anpressdruck von Vorteil (Schraubzwinge etc.)
Danke für das Interview!
Was aus der SUP-Clinic geworden ist
Die Werkstatt gibt es weiterhin. Seit Mai 2019 wird der Service auch für Deutschland und Österreich angeboten. Die beiden Anlaufstellen sind heute getrennt.
Schweiz: sup-clinic.ch, betrieben von der SUP-Clinic.com GmbH. Dort gibt es neben der Reparatur auch Upgrades, Reparaturmaterial und Pflegeprodukte, und die Gründer betreiben inzwischen zusätzlich die Paddelspot-App paddle-spots.com.
Deutschland und Österreich: sup-clinic.eu, betrieben von der Bieri Zeltaplan GmbH.
Der Ablauf ist an beiden Stellen derselbe: Reparatur online anmelden, Board mit dem Reparaturschein einsenden oder bei einem Partner abgeben, Angebot abwarten, danach wird repariert und zurückgeschickt.
Der Überdruck, von dem Thomas spricht
Die geplatzten Seitennähte aus dem Interview sind kein Sonderfall eines heißen Sommers, sondern der häufigste vermeidbare Totalschaden an einem aufblasbaren Board. Die Luft im Board dehnt sich in der Sonne aus, und ein dunkles Deck auf einer Wiese oder auf dem Autodach heizt sich weit über die Lufttemperatur auf. Aus 15 psi beim Aufpumpen werden so schnell 20 psi und mehr.
Drei Punkte reichen, damit das nicht passiert:
Nach der Fahrt Luft ablassen, nicht nur aus dem Wasser holen. Ein Board, das aufgepumpt in der Sonne liegen bleibt, ist der Klassiker. Ein kurzer Druck aufs Ventil genügt.
Im Schatten oder nass halten. Wer eine Pause macht, legt das Board mit der dunklen Seite nach unten oder ins Wasser.
Den Druck am Manometer prüfen, nicht nach Gefühl. Die Herstellerangabe auf dem Board ist die Obergrenze, nicht die Empfehlung für heiße Tage. Wie das Ventil funktioniert und wann ein Ventiladapter hilft, steht in unserem Ratgeber dazu.
Für den Rest der Saisonvorbereitung passen unsere Beiträge zum Reparaturkit und zum Pflegen des Boards.

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