Ein undichtes SUP Board ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch gefährlich werden.
In diesem Artikel gehen wir die vier häufigsten Ursachen der Reihe nach durch, von der harmlosesten bis zur aufwendigsten, und du erfährst, wie du sie selbst behebst.
Die gute Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen liegt es am Ventil, und das ist eine Sache von einer Minute. Ein echtes Loch oder eine undichte Naht sind die Ausnahme.
Ist es überhaupt undicht?
Bevor du auf die Suche gehst, klär die Frage, ob dein Board wirklich Luft verliert. Sehr viele vermeintliche Lecks sind in Wahrheit Physik.
Luft dehnt sich bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Ein Board, das du nachmittags bei 28 Grad auf 15 PSI aufpumpst und morgens bei 14 Grad nachmisst, zeigt rund ein bis anderthalb PSI weniger, und zwar völlig dicht. Umgekehrt steigt der Druck in der Mittagssonne über den Maximalwert, weshalb ein Board nie voll aufgepumpt in der prallen Sonne liegen sollte.
Ein belastbarer Test sieht deshalb so aus: Board aufpumpen, Druck notieren, Board über Nacht an einem Ort mit gleichbleibender Temperatur lassen, etwa im Keller oder in der Garage, und am nächsten Tag nachmessen. Verliert es dabei mehr als etwa ein PSI, ist tatsächlich etwas undicht. Danach beginnt die Suche.
Der Standardtest dafür ist Seifenwasser: Spülmittel ins Wasser, mit einem Schwamm großzügig aufs aufgepumpte Board, und zwar zuerst rund ums Ventil, dann auf die Seitennähte und zuletzt auf die Flächen. Wo es schäumt, entweicht Luft. Bei sehr feinen Lecks hilft Geduld, die Blasen brauchen manchmal eine halbe Minute.
Ventil kaputt oder nur locker?
Zuerst musst du erst einmal herausfinden, wo genau dein Board undicht ist. Nach dem Aufpumpen kannst du ein Tuch mit etwas Seifenwasser benetzen und auf dem ganzen Ventilbereich (typische Schwachstelle) verreiben. Wo kleine Luftblasen austreten, befindet sich das Leck.
In den meisten Fällen befindet sich die undichte Stelle am Ventiltellerrand außen (Ursache 1) oder am eigentlichen Ventilausgang von innen (Ursache 2).
Ursache 1: Ventil hat sich gelockert
Sehr häufig ist das Ventil daran schuld, dass dein Board undicht ist. Hat es sich beim Fahren oder Transport gelockert, kann die Luft entweichen. Geschieht dies nur sehr langsam, kann es passieren, dass du es erst unterwegs auf dem Wasser merkst. Kontrolliere daher vor jeder Tour, ob das Ventil richtig sitzt.
Nachziehen solltest du es mit einem Ventilschlüssel, und zwar unbedingt nur im unaufgepumpten Zustand. Zieht man an einem Ventil unter Druck, kann sich der komplette Einsatz herausschießen, und das Board entleert sich schlagartig.
Entferne dazu die Staubschutzkappe, setze den Ventilschlüssel an und drehe im Uhrzeigersinn. Lässt sich das Ventil noch ein Stück bewegen, war es schlicht locker. Eine Vierteldrehung genügt, mehr braucht es nicht. Wer mit Kraft weiterdreht, reißt das Gewinde im Kunststoffgehäuse aus, und dann wird aus einer Minutenarbeit ein Werkstattfall.
Alternativ kannst du auch noch prüfen, ob der Ventileinsatz nicht ganz zentriert platziert wurde und deswegen Luft austritt. Lockere es zuerst ein wenig und schraube es dann richtig platziert wieder fest, um das Problem zu beheben.
Wichtig: Für Dichtungen an Ventilen gehört ausschließlich Silikonfett auf den Dichtring, und auch davon nur hauchdünn. Vaseline und andere Produkte auf Mineralölbasis wirken zwar im ersten Moment, greifen aber PVC und Gummidichtungen an und machen sie mit der Zeit spröde. Meistens brauchst du ohnehin gar nichts: Ein sauberer, unbeschädigter Dichtring dichtet trocken am besten.
Ursache 2: Luft tritt innerhalb des Ventils aus
Um zu prüfen, ob Luft innerhalb des Ventils austritt, muss dein Board aufgepumpt sein. Öffne und schließe das Ventil nun mehrfach. Eventuell ist es nur ein mechanisches Problem, wie ein verkanteter Ventilbolzen oder ein Fremdkörper, der sich im Ventil verfangen hat.
Manchmal können sich Drop-Stitch-Fäden lösen und so im Ventil verfangen, dass es undicht wird. Hat sich dagegen die Ventildichtung gelöst, kann auch diese dazu führen, dass das Ventil klemmt.
Hast du ein mechanisches Hindernis erkannt, schraubst du das komplette Ventil im unaufgepumpten Zustand heraus. Prüfe, ob du das Hindernis entfernen kannst. Setze anschließend den Ventileinsatz wieder ein und ziehe alles mit dem Ventilschlüssel fest. Prüfe, ob jetzt alles dicht ist. Ist das nicht der Fall, musst du das Ventil vermutlich austauschen, weil es defekt ist.
Ursache 3: Ventil ist kaputt
Etwas seltener kommt es vor, dass ein Ventil defekt ist. In diesem Fall entweicht Luft trotz Nachziehen und anderer Maßnahmen und du musst es gegen ein neues Ventil ersetzen.
Passende Ventile bekommst du im Fachladen für SUP Zubehör, entweder im Sportfachgeschäft, vor Ort oder auch online. Wenn du dir den Austausch nicht selber zutraust, kannst du auch einen Fachmann damit beauftragen.
Ursache 4: Undichte Naht
Die vierte und mit Abstand seltenste Ursache für Luftverlust sind undichte Nähte. Ist dein Board schon älter, können sich mit der Zeit undichte Stellen bilden. In manchen Fällen handelt es sich aber um einen Materialfehler durch eine schlechte Verklebung bei der Produktion, der schon direkt nach der Lieferung bestehen kann.
Kontrolliere daher an deinem neuen Board nach Auslieferung direkt alle Nähte, ob möglicherweise irgendwo undichte Stellen vorhanden sind, was ein Fall für die Reklamation bzw. einen Umtausch wäre.
Bilden sich die undichten Nähte erst nach längerer Zeit, kannst du diese leicht selber verschließen. Möglich ist das zum Beispiel mit PVC Patches, die zum Abdichten von Nähten geeignet sind.
Wie eine Reparatur im Detail abläuft, steht ausführlich in unserem Beitrag SUP reparieren. Kurz zusammengefasst gehst du so vor:
- Finde zunächst die undichte Stelle und markiere sie mit einem wasserfesten Stift.
- Nimm etwas Schmirgelpapier und raue die Fläche rund um die undichte Stelle auf.
- Schneide nun einen Patch in der richtigen Größe zurecht. Eine möglichst runde Form hält am besten.
- Trage als nächstes Kleber auf den Patch sowie auf die aufgeraute Fläche auf.
- Lasse den Kleber für 5 Minuten einwirken und klebe dann alles fest zusammen.
- Damit alles noch besser und länger hält, erhitzt du den Patch jetzt noch kurz mit einem Heißluftföhn. Wenige Sekunden reichen völlig aus.
- Streiche über den Patch, um eventuell noch vorhandene Luftbläschen herauszudrücken. Arbeite dabei von innen nach außen.
- Zum Schluss kannst du zusätzlich die Ränder des Patches nochmal mit etwas Kleber abdichten.
- Lass das Board mindestens 48 Stunden ruhen, bevor du es wieder aufpumpst. Nähte tragen den vollen Innendruck, hier ist Geduld wichtiger als beim einfachen Loch.
Eine Einschränkung, die ehrlicherweise dazugehört: Das funktioniert bei einer kurzen, klar begrenzten Stelle. Ist die Naht über mehrere Zentimeter offen oder geht sie an mehreren Stellen auf, hält kein aufgeklebter Patch dauerhaft dagegen. Dann ist das Board ein Fall für den Hersteller oder eine Bootswerkstatt. Und wenn es noch Garantie hat, rufst du dort vor dem ersten eigenen Klebeversuch an, denn eine selbst reparierte Naht kann den Anspruch kosten.
Tipp: Undichte Stellen findest du leicht heraus, indem du dein Board unter Wasser drückst und beobachtest, wo die Luftbläschen aufsteigen.
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